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Stadtwerke könnten so geil sein. Echt!

„Employer Branding? Bitte nicht! Könnte ja bedeuten, wir bekommen so einen Querdenker ohne eigenes Auto.“

Veränderungen beginnt in den Köpfen, kann man überall auf Seminaren zum Thema "Change Management" hören. Was ist aber, wenn die Bereitschaft nicht vorhanden ist, bzw. abtrainiert wurde und verkümmert ist?

Die Energiewirtschaft befand sich viele Jahrzehnten im Modus des Beamtentums. In Stadtwerken wurden viele der Mitarbeiter von heute in den „guten alten Zeiten“ in der Energiewirtschaft sozialisiert. Geradezu verheerend z. B. in puncto Innovationswille wirkt sich diese Tatsache in den obersten Führungsebene aus.

Bei den großen Konzernen der Energiebranche ist es auch nicht viel besser, hier verhält es sich wie in der Politik. Wenn man dort in eine Entscheiderposition kommen wollte bzw. will, muss man die Ochsentour durchlaufen. Dies hat zur Folge, dass am Ende dieser Tour in den Konzernen und in der Politik i. d. R. nur die Personen Entscheidungen treffen, die inhaltlich wenig, aber politisch viel Expertise haben.

Pervertiert wird diese Situation bei Stadtwerken durch die Tatsache, dass jene in den Aufsichtsgremien sitzen, die nicht in Kategorien wie z. B. Chancen denken, sondern in Kategorien wie Wiederwahl, politische Grabenkämpfe und Legislaturperioden. Das führt zu einem Mix, der das Unternehmen nach Außen wenig anziehend wirken lässt.

Dass die Branche neue innovative Personen benötigt um die Energiewende voranzutreiben, ist für alle, so denken wir, unter diesen Rahmenbedingungen leicht nachvollziehbar. Aber wie sexy sind z. B. Stadtwerke für Arbeitnehmer, die die Wahl haben? Auch diese Frage können wir uns doch gut selbst beantworten. Wenn man nicht familiär vorbelastet ist oder andere Kontakt zu Stadtwerken hat, wird der Name eines Stadtwerkes selten auf der Liste der Wunscharbeitgeber erscheinen.   

Viele Stadtwerke argumentieren immer wieder, dass Sie keine konkurrenzfähigen Gehälter zahlen könnten, da es dies die Bindungen an Tarifvereinbarung nicht zulassen würden. Das stimmt, aber das „schlechte“ Gehalt als Grund für die fehlende Attraktivität als Arbeitgeber ist sehr eindimensional gedacht.

Viel wichtiger ist, was Stadtwerke derzeit ausstrahlen und wie sie wahrgenommen werden. Vielen Arbeitnehmern ist neben Geld auch die Aufgabe wichtig, die Bedeutung, die die vollbrachte Arbeit am Ende hat. „Ich will was bewegen, etwas verändern, einen Fußabdruck hinterlassen“, ist oft wichtiger als der ein oder andere Euro. Unternehmen wie Rocket Internet oder Henkel zahlen keine guten Gehälter haben aber einen Ruf, der es beiden Unternehmen oftmals ermöglicht die besten Köpfe am Markt für sich zu gewinnen. Ein weiteres gutes Beispiel ist die Kampagne des deutschen Handwerks, bei der gezielt die Bedürfnisse der jungen Leute angesprochen werden: Ich will was verändern.  

Und wer, wenn nicht die Energiebranche, die derzeit an einer der bedeutendsten Veränderung der Gesellschaft teilnimmt, könnte Arbeitnehmer einladen, daran zu partizipieren und mitzugestalten? Die Verschmelzung der Erzeugung mit Internet und Verbrauch zieht sich durch alle Wertschöpfungsstufen der Energiewirtschaft bzw. eines Stadtwerks. Eigentlich müsste die Energiebranche jubeln, da sich derart viele Möglichkeiten für Heute, Morgen und Übermorgen ergeben. Aber Jubel ist derzeit das Letzte, was bei Stadtwerken zu hören ist, man ist eher geneigt, an eine Beerdigung zu denken, wenn man die Branche hört. Hierzu können wir nur festhalten, dass es dumm ist, Chancen zu ignorieren, da die alten Rahmenbedingungen schlecht sind.

Die Troika aus bestehendem Image, den aktuellen, in der Vergangenheit sozialisierten Unternehmensleitungen und dem aktuellem Marktauftritt macht die Energiebranche als Arbeitgeber derzeit nicht sonderlich attraktiv. Das führt zu einer Spirale, denn innovative Personen werden so nicht gebunden und erst recht nicht „eingefangen“, was wiederum zu wenig bis keinen Veränderungen in den Unternehmen führt.  

Wie können die Energiebranche und insbesondere die Stadtwerke aus dieser Spirale entkommen?

Zum einen muss das Stadtwerk die Chancen, die die Energiewende bietet, annehmen wollen. Dies muss intern und extern kommuniziert werden, was bereits dazu beiträgt eine attraktive Arbeitgebermarke zu erschaffen. Hierzu kann jedes Unternehmen selbst aktiv werden, oder Kooperationen und Verbände instrumentalisieren. Die derzeitigen Bemühungen z. B. der Verbände halten sich diesbezüglich in Grenzen, oder verfehlen den Effekt gänzlich. Der VKU (Verband kommunaler Unternehmen) z. B. hat eine Kampagne mit dem Namen „Die kommunale Unternehmen“ ins Leben gerufen. Die Themen Energiewende und Vernetzung werden nicht einmal im Internetauftritt dieser Kampagne erwähnt. Und der Werbespot im Kino war für die meisten Zuschauer ein Grund, um Popcorn zu holen.  

Kleine Softwareunternehmen, aber auch große Konzerne haben den Trend längst erkannt und bauen sich ein Image als Arbeitgeber auf, dass es ihnen viel leichter macht Zugang zu potentiellen Führungskräften von Morgen zu erhalten. Die Positionierung ist kein Hexenwerk und erlernbar oder durch Software (Bsp. Talention) spielend zu unterstützen bzw. zu steuern.

Aber Vorsicht: Die Geister die man ruft, werden auch fordern!

Sicherlich gibt es Ausnahmen, Unternehmen, Stadtwerke, die herausstechen und die sowohl in puncto Produkte als auch in puncto Arbeitgebermarke innovativ am Markt agieren. Die Energiewende ist allerdings eine dezentrale Aufgabe, die allen Stadtwerken Chancen eröffnet, nicht nur einigen wenigen.

Unsere Bitte an Stadtwerke:

Werdet dynamisch, geht in den Dialog mit Euren Kunden, holt Euch Köpfe aus anderen Branchen und lasst Euch nicht von anderen aus den Markt drängen.