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Viel Geld für 700 Spinner.

Berlin wird zum Himmelreich für Besitzer von Elektroautos.

So muten die Meldungen der WiWo Green und anderer Vertreter der berichtenden Zunft in den letzten Tagen an. Gleichzeitig kritisiert der Artikel und malt zum Abschluss ein wenig schwarz. Insbesondere die letzten Sätze, eben dieses Ende des Artikels, haben uns verwundert:

„Derzeit sind weniger als 700 Elektrofahrzeuge in Berlin gemeldet. Demnächst hat also jedes E-Auto in der Stadt seine eigene Tankstelle. Berlin gibt zwar vor, arm zu sein – das wäre aber tatsächlich Luxus. Ob das gleichzeitig der Durchbruch für Elektroautos in Berlin ist, bleibt fraglich. Attraktiver werden sie mit dem Plan auf jeden Fall.

Was soll das? Inhaltlich ist alles richtig, aber das Signal, das dieser Artikel am Ende ausstrahlt, macht alle positiven Bemühungen zunichte.

Die finale Aussage: Viel Geld, das wir für die 700 Spinner ausgeben. Ob das mal gut angelegt ist?

Warum nicht so:

Berlin wird zur Welthauptstadt der Elektromobilität.

Die ersten Etappen sind gestartet. Eine kurze Zusammenfassung der Neuigkeiten und ein Ausblick:

  • Super Entscheidung Berlin. Wenn gleiche Signale mindestens in dieser Größenordnung in allen Städten erfolgen würden, wäre ein großer Schritt zur Vertrauensbildung bei den zukünftigen Nutzern von Elektromobilität erbracht. Und das ist bitter nötig, denn die meisten denken doch noch, dass der spontane Trip nach Paris zum Brunch immer und überall möglich sein muss. Oder sie fürchten: wenn die Karre jetzt nur halb voll ist, kann ich also nur zwei bis drei Mal damit nach Hause fahren?
  • Die Anzahl der Ladepunkte ist zu niedrig, hier muss viel mehr geschehen. Stellt Euch mal vor, in einer Straße mitten in Berlin, in der es ausschließlich mehrgeschossige Mietshäuser gibt, leben nur drei Familien mit E-Auto. Alliander hat, da es viele Straßen diese Art in Berlin gibt,  nur in der Mitte solcher Straßen eine Ladesäule aufgestellt. Der Kampf um den Parkplatz ist ja schon grotesk, aber den Kampf um die Sicherheit am nächsten Morgen, den spontanen Trip nach Paris anzutreten, will ich nicht sehen. Hier rate ich jedem zu einer Dashcam.
  • Strom aus Erneuerbaren Energien bei den Ladevorgängen einzusetzen ist zwingend. Jedem Vermieter, der eine Parkmöglichkeit für seine Mieter anbietet, sollte PV-Strom, den er auf dem Objekt produziert, an die Nutzer dieser Tankstellen verkaufen dürfen.  
  • Ein Fehler bei der Vergabe und Subventionierung ist die Konzentration auf ein Unternehmen. Ebenso hätte die Technik der Firmen Ubitrictiy und Ebee gefördert werden müssen. Den beiden Startups zu erlauben, auf eigene Kosten eine Infrastruktur aufzubauen, ist zynisch und muss hier nicht weiter vertieft werden. Aber eben die Technologie, für die die beiden Unternehmen stehen, eben die Möglichkeit, z. B. an jeder Laternen zu tanken, könnte zu einer viel schnelleren Akzeptanz der Elektromobilität führen. Hinzu kommt, dass die Einbindung in das beschriebene Abrechnungssystem auch bei diesen Technologien problemlos realisierbar ist. Ja, ja, die heutigen Laternen geben es technisch nicht her und die Ladevorgänge dauern zu lange. Wie viele von den Dingern werden jedes Jahr aufgrund von Baustellen oder Unfällen erneuert oder altersbedingt ausgetauscht? Wie viele von den Dingern unterliegen regelmäßigen Instandhaltungsroutinen? Ich glaube mehr als 100, oder? 
  • Und ja, das ist der richtig Weg, nur wir wollen mehr, viel mehr und vor allem muss das Bewusstsein der Bevölkerung und Unternehmen sensibilisiert werden. Denn ein Großteil der Ladevorgänge wird daheim und während der Arbeitszeit erfolgen. Dort muss daher ebenso Ladeinfrastruktur entstehen. Also auch jedes Unternehmen, das eine Ladesäule für Mitarbeiter errichtet und die Kosten der Wartung übernimmt, muss einen Anreiz erhalten. 

Der Durchbruch der Elektromobilität muss in den Köpfen der Menschen und Arbeitgeber erfolgen und dafür muss jeder richtige Schritt, der auf diesem Weg gemacht wird, unterstützt werden. Es muss immer wieder aufgezeigt werden, was alles bereits geht und welchen Mehrwert und Spaß es bringt. Hier ist neben Vernunft auch sehr viel Emotionalität im Spiel.  

Also Düsseldorf: Bis Ende 2018 sind 50.000 Elekromobile auf deinen Straßen. Das schaffst Du nur, wenn Du die Unternehmen und Privatkunden überzeugst.