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Herausforderungen für die Energiewende durch die Stadtwerke

Alleine über den Titel könnte man sich ja schon ein wenig aufregen: „Herausforderungen von Stadtwerken aus der Energiewende“. Die meisten Teilnehmer dieser Studie haben aus dem Begriff Herausforderungen fast ausschließlich die Synonyme Risiken und Probleme gemacht. Dazu aber später mehr.

Die Studie wurde unter der Leitung des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge der Universität Leipzig und in Kooperation mit der Commerzbank AG und der Stadtwerke Leipzig GmbH erstellt und ist vor ca. 2 Monaten erschienen. Kern der Studie ist eine zweistufige „Expertenbefragung“, die bei allen deutschen Stadtwerken durchgeführt wurde.

Nun, damit war ja schon einmal der Grundstein für ein Gejammer im Gleichklang gelegt. 

Eigentlich hatten wir vor, die Studie - es sind nur 24 Seiten - Punkt für Punkt durch zu gehen und zu kommentieren. Nach den ersten Seiten war uns das zu albern. Da die Studie sehr einseitig geprägt ist, benötigt man eigentlich nur kurze Abschnitte aus dem Fazit, um den Grundtenor wiederzugeben. Ich möchte dabei nicht versäumen, darauf hinzuweisen, dass wir hierbei eine Passage ausgewählt haben, in der das nicht wirklich oft in dieser Studie benutzte Wort „Chance“ vorkommt:

Dennoch bietet die Veränderung grundsätzlich auch Chancen für Stadtwerke: Aufgrund ihrer traditionell eher regionalen Verankerung und Nähe zu den Endverbrauchern können sich neue Geschäftsfelder ergeben. Hierzu sind jedoch einige Anpassungen sowohl in den Netzinfrastrukturen als auch im zukünftigen Marktdesign erforderlich.“ 

Kurz davor wird noch lapidar erwähnt:

Es zeigt sich, dass die Dezentralisierung der Stromerzeugung zunächst eher kritisch betrachtet wird, da es hier zu negativen Auswirkungen auf bestehende und noch benötigte Strukturen kommen könnte“.

So das reicht, das muss man doch erst mal sacken lassen.

Schauen wir uns doch einmal die Aussage mit den Chancen an. Super, die Stadtwerke haben laut Studie erkannt, dass es Chancen gibt, die sie auch gerne ergreifen möchten, aber bitte ohne Investitionen. Und bitte, den Rahmen müssten wir auch ein wenig zu unserem Gunsten anpassen, dann machen wir mit. Klar, wenn wir schon dabei sind, wollen wir nicht gleich wieder ein Monopol für Stadtwerke in Punkto Belieferung etablieren?

Da die ganze Studie eigentlich voll ist von Gejammer, dass sich Großkraftwerke nicht mehr lohnen und das dies gemein ist, erklärt sich die Einstellung zur dezentralen Erzeugung von selbst.

Wenn ein System offenkundig nicht mehr funktioniert, sollte die Reaktion nicht sein, die Verbände und Lobbyisten los zu lassen um den alten Zustand wieder herzustellen. Insbesondere dann, wenn der alte Zustand durch die Veränderungen am Erzeugungsmarkt nicht mehr herzustellen ist. Der Denkansatz, dass die Sicherheit der Versorgung nur durch das „alte System“ erreicht werden kann, entsteht durch das reaktionäre Denkmuster der Beteiligten.

Es bleibt Abzuwarten, ob die Bundesregierung den Kurs des Grünbuchs beibehält und auf den Kapazitätsmarkt verzichtet. Oder ob der Druck auf die Regierungsvertreter zu groß wird, wenn wir in manchen Stunden sehr hohe Preise an den Strombörsen sehen werden. Dies würde wahrscheinlich die Folge sein, da bei Ablehnung des Kapazitätsmarkts einige Kraftwerke vom Netz genommen werden und somit zu einer Verknappung des Angebots in bestimmten Stunden die Folge wäre. Die Presse wird ihr Übriges dazu beitragen, dass diese Situationen zu einer verzerrten Wahrnehmung führen und den Druck in dieser Situation erhöhen.

Aber gerade eben diese Preissignale werden die dringend benötigte Speichertechnologie rentabel machen und im System etablieren. Hoffentlich bleibt die Bundesregierung dem veröffentlichten Grünbuch in diesem Punkt treu und lässt sich nicht von Interessenvertretern, der Presse oder bestimmten Studien beirren.

Last but not least empfinde ich es entlarvend bei dieser Studie, dass der Endverbraucher der Stadtwerke, also Du und ich, lediglich als Gefahr in der Rolle des Prosumers wahrgenommen werden.

Aber bei den Prosumern mache ich mir keine Sorgen. Hier gilt aus deren Sicht eine Erkenntnis eines Mannes, der sich mit Veränderungswünschen sehr gut auskennt, Mahatma Gandhi: „Erst ignorieren Sie Dich, dann lachen sie über Dich, dann bekämpfen sie Dich – und dann gewinnst Du“. Derzeit befinden wir uns in Punkto Prosumer zwischen dem Lachen und dem Bekämpfen.

Das was mir diese Studie gezeigt hat, ist die Notwendigkeit der Veränderung in den Köpfen der Entscheider. Wer lediglich dafür kämpft, alte Pfründe zu verteidigen, riskiert die Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens.